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Leseprobe

Prolog
„Wenn Sie der sind, für den ich Sie halte, dann kommen Sie her, steigen im Gasthaus zum Weinberg ab und warten, bis ich mich wieder bei Ihnen melde. Ich kann Sie mit absolut hieb- und stichfesten Beweisen versorgen. Mir selbst ist die Kartoffel einfach zu heiß, aber ich glaube, Sie verfügen über die nötigen Verbindungen, um die Bombe hochgehen zu lassen!“
P.F.
1. Teil: Der Fremde
Kapitel I
An jenem Freitag, als er zum ersten Mal das Wirtshaus betrat, waren nur ganz wenige Gäste anwesend. Den ganzen Tag über hatte es heftig geschneit, womit nach dem milden Verlauf des bisherigen Winters gar nicht mehr zu rechnen war. Aber jetzt lagen doch gut und gern zwanzig Zentimeter Schnee, und das bedeutete für unsere Gegend schon tiefwinterliche Verhältnisse. Kein Wunder also, dass sich nur die hartnäckigsten Stammgäste zu mir verirrt hatten. Paul Oswald, der inzwischen sein viertes Krügerl genussvoll konsumierte, unterhielt sich an der Schank mit Peter Meier und Franz Klein ziemlich lebhaft über die Frage, wie denn der örtliche Sportplatz möglichst rasch von den Schneemassen befreit werden könnte. Schließlich war am nächsten Samstag Meisterschaftsbeginn, und wenn man nicht rechtzeitig etwas unternahm, dann konnte das Heimspiel gegen Güssing wohl nicht durchgeführt werden. Also musste rasch eine Lösung her, und die sah in den Augen von Paul Oswald ganz eindeutig so aus, dass der gesamte Kader am nächsten Tag mit Schneeschaufeln zu einem Sondertraining ausrücken müsste.
„Du spinnst ja, das schaffen die nie, nicht einmal, wenn sie auch noch die Badersdorfer und Kirchfidischer mit einladen!“ Peter Meier war entweder etwas realistischer oder nicht gerade überzeugt von der Arbeitskraft und –moral der heimischen Kicker.
„Genau, Peter, die schaufeln ja wahrscheinlich genauso langsam, wie sie spielen!“ Franz Kleins Aussage war eindeutiger.
„Na diese Kleinigkeit werden sie ja wohl zustande bringen. Meinen Hof mit zwanzig mal dreißig habe ich in einer halben Stunde ausgeschaufelt, da werden ja doch 25 ausgewachsene Mannsbilder so ein bisschen Fußballrasen während einer Trainingseinheit schaffen.“ Die eher schwachen Leistungen der Kohfidischer Fußballer in der letzten Herbstmeisterschaft führten sogar bei einem derart eingefleischten Fußballfan, wie Paul Oswald seit Kindesbeinen einer war, zu einem negativen Unterton.
Ich hörte den dreien noch eine Weile amüsiert zu, während ihre Debatten immer wortreicher und lautstärker wurden. Berechnungen wurden angestellt, wie denn der Schnee am besten vom Platz befördert werden könnte, wie viel an Menge dabei zusammen kam und mit welchen technischen Hilfsmitteln wohl vorgegangen werden konnte, ohne dass in Kohfidisch Ähnliches passierte wie ein Jahr zuvor in einer nicht weit entfernten Gemeinde. Dort hatte ein übereifriger Vereinsobmann mit dem eigenen Traktor dafür sorgen wollen, dass der Platz möglichst schnell wieder schneefrei wurde – und dabei auch gleich die Grasnarbe mitentfernt, sodass ein halbes Jahr lang nur in der Nachbargemeinde gespielt werden konnte.
Ich versuchte mich nebenbei auf meine Monatsabrechnung zu konzentrieren, was gar nicht so leicht war – und zwar nicht nur deshalb, weil die wenigen Gäste mittlerweile einen ziemlichen Lärm machten, sondern auch, weil es für mich nichts Grässlicheres gab als diese monatliche Rechnerei und Schreiberei. Liebend gerne hätte ich mich ganz von meinem Vorhaben abbringen lassen und mich einer Partie Karten gewidmet, aber heute kam offensichtlich außer Paul keiner von meinen Kartenbrüdern mehr.
Ich hatte die Tür gar nicht gehört, sondern wurde erst aufmerksam, als die hitzige Diskussion vorne an der Schank mit einemmal total erstorben war, so als ob jemand an einer Fernsehfernbedienung auf lautlos gestellt hätte. Als ich verdutzt aufschaute, um festzustellen, was denn diese plötzliche Stille bewirkt haben könnte, stand er bereits vor mir.
„Sind Sie der Wirt?“
Ich erhob mich wortlos und blickte an mir selbst hinab. Konnte man das an irgendeinem äußeren Kennzeichen erkennen?
„Guten Abend! Ich hätte gerne ein Zimmer.“
 ..........
Kapitel V (Ausschnitt)
Sollte ich wirklich im Koffer herumwühlen? Noch einmal versuchte der Entschluss in mir hochzukriechen, wieder hinunterzugehen und Eva heraufzuschicken. Doch während ich scheinbar fest dazu entschlossen war, endlich zur Vernunft zu kommen, bemerkte ich, wie meine Hände eine dicke Wollweste weghoben, die ganz zuoberst im Koffer lag. Dann hielt ich inne und horchte. Die Holzstufen hier herauf knarrten schon seit Jahren derart, dass ich Müller auf jeden Fall hören würde, falls er doch unerwartet rasch zurückkäme. Nichts, alles ruhig. Also schob ich die auffallend wenigen anderen Gewandstücke vorsichtig zur Seite, um nach Entdeckenswertem in der Kofferwelt dieses Fremden Ausschau zu halten. Erst nach mehreren Pausen, die ich wieder dazu benutzte, um mich davon zu überzeugen, dass ich ungestört weitermachen konnte, und der überraschenden Feststellung, dass selbst eine derart einfache Tätigkeit zu Schweißausbrüchen führte, entdeckte ich ganz unten einen Briefumschlag. War das schon etwas Kriminelles, was ich da tat? Wie auch immer, es war ganz eindeutig nicht der Zeitpunkt, um Antworten auf solche Fragen zu finden. Vorsichtig zog ich den Umschlag heraus. Es handelte sich um ein mittelgroßes, weißes Kuvert. Und es war bereits aufgeschnitten worden. Im Kuvert steckte unter anderem ein Zeitungsartikel, den ich nur allzu gut kannte. Wer war dieser Müller nur? War das Ganze noch immer nicht zu Ende? Was hatten die nur mit dem guten alten Csaterberg vor?
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